Reisebericht Kindertraum Älgen 2010
von Britta Lütke-Bexten
„Ich entschied mich, mit meinen beiden Kindern (7 und 8 Jahre) kurzfristig die Kanutour Älgen mit anschließender Hüttenwoche in Säfsen zu buchen. Die Anfahrt an sich war schon ein Erlebnis, wir waren Erstbesucher in diesem wundervollen Land. Die Fahrt barg jeden Tag neue Entdeckungen und Bräuche, die in Deutschland undenkbar wären. Besonders fasziniert waren meine Kinder davon, daß man einfach auf den Strand fahren konnte und ein Zelt aufschlagen durfte oder seinen Camper dort parken konnte, um eine Nacht am Meer zu verbringen.
Recht problemlos fanden wir den Treffpunkt in Älgen und freuten uns über das schnell angefachte Feuer, das uns bei einer Temperatur von ca. 15 Grad gut tat. Schnell wurde in den Zeltaufbau eingewiesen, der Grill angeworfen, die flugs geschnitzte Grillzange eingeweiht. Die Kinder bekamen einen Vorgeschmack auf die kommende Woche, denn Jürgen, unser toller Tourenbegleiter fuhr mit ihnen auf den See hinaus, um Trinkwasser zu holen. Ja, es war zunächst etwas befremdlich, das Wasser aus dem See zu trinken, hatte es doch eine leicht rostige Farbe. Aber schnell gewöhnte man sich daran.
Am nächsten Morgen ging es endlich los, bei Wind, Regen und eiskalten Gliedmaßen. Irgendwie war es nicht wichtig, denn das Abenteuer begann ja. In der Tat, der Wind pustete so manchen in die falsche Richtung, doch wir wurden aus der Seenot gerettet. Nach kurzer aber intensiver Einweisung am Folgetag passierte das dann auch nicht mehr. Der erste Übernachtungsplatz war wunderschön, die Stille unbeschreiblich. Das über dem Feuer gemachte Essen ein Genuss, mir ist es heute noch ein Rätsel, wie man für 23 Leute in 2 Töpfen so tolles Essen bereiten kann. Ganz zu schweigen davon, dass man das alles auch in nur 8 Kanus mitnehmen kann.
Mein Sohn hatte an einem dieser ersten Tage Geburtstag. Er bekam den wohl schönsten Geburtstagskuchen seines Lebens. Ein Kuchen aus 7 gestapelten Waffeln mit Pudding „zusammengeklebt“, mit frisch gepflückten Blaubeeren verziert. Er wurde 7 und es war sicher einer seiner schönsten Geburtstage. Auch das war alles über dem Feuer zubereitet und Jürgen, auf diesem Wege nochmals danke für Deine Mühe an diesem Tag, es war sehr besonders für uns.
Wir lernten weitere Spezialitäten kennen. Nun können wir frischen Blaubeertee zubereiten, Blaubeermarmelade, Tee aus Tannenspitzen und Brötchen aus Trockenmilch und Trockenei. Das Stockbrot in der Ruhe der Natur mit Geduld gebacken, auch bei strömendem Regen, der heiße Kaffee nach kalter Nacht oder auch kaltem Tag, all das waren Highlights, die sonst so selbstverständlich sind.
Die Ruhe war ein Traum. Ein Flugzeug in Reiseflughöhe blieb mir in Erinnerung, da es das einzige Geräusch war, was ich diesem Tag aus der Zivilisation gehört hatte, nur Vogelgezwitscher, Kinderlachen, Wasserplätschern und Feuerknistern. Ab dem 3. Tag hatte spätestens der letzte seine Armbanduhr abgezogen und das Handy abgeschaltet, es gab ja eh kaum Empfang. Als uns vor der letzten Etappe gesagt wurde:„Morgen müssen wir aber spätestens um 10 Uhr los.“ erntete Jürgen nur ein müdes Lächeln von uns, denn woher sollten wir wissen, wann das war. So entschied er sich dafür, uns einfach zu wecken.
Meine Kinder sind nun Feuerspezialisten, können es ohne Streichhölzer anzünden. Sie werden nie wieder irgendwo etwas liegen lassen, sie können ein Kanu lenken und paddeln (nicht rudern, ich weiß, Jürgen), wissen, wie ein Kanu kentert und wie man wieder hinein gelangt, lernten angeln und Fische töten, ausnehmen und natürlich essen, können kochen und Kleidung über dem Feuer trocknen und lieben den Geruch des Rauches, der bis heute aus den Regensachen noch nicht herausgewaschen werden konnte. Das ist auch gut so, denn so werden wir an grauen Regentagen in Schmuddeldeutschland jedes Mal wieder an den (Kinder-)traum Älgen erinnert. Alles in einem war dieser Urlaub ein wahrer Traum in einer unglaublichen Stille und Ruhe, fernab von jeglicher Zeitmessung und alles was zählte, war die Entspannung. Und diese stellte sich ganz von allein in kürzester Zeit ein.
Wieder zu Hause kann ich seitdem mit dem Alltag viel besser umgehen und war noch niemals nach einem Urlaub so erholt, wie in diesem Jahr. Das intensive Zusammensein mit meinen Kindern in einer Umgebung, die keine Ablenkung zuließ, wappnete uns für den schwierigen Alltag, der uns zu Hause erwartete.
